Führung beginnt mit Selbstwahrnehmung
Führung ist kein Handbuch, das man abarbeitet, und keine Rolle, die man perfekt spielen muss. Sie ist eine Beziehung – zu Ihren Mitarbeitenden, zu Ihrer Organisation und vor allem zu sich selbst.
Dieser Artikel lädt Sie nicht dazu ein, eine „bessere Führungskraft“ zu werden, sondern Ihre Rolle tiefer zu verstehen. Es geht nicht um Techniken oder Modelle, sondern um die Frage: „Wie erlebe ich meine Führungsrolle – und was sagt mir das über mich selbst?“
Denn Gelassenheit in der Führung entsteht nicht durch das Befolgen von Regeln, sondern durch Akzeptanz – der eigenen Grenzen, der Unvollkommenheit von Beziehungen und der Tatsache, dass nicht alles kontrollierbar ist.
Warum Kontrolle in der Führung eine Illusion ist – und wie Sie stattdessen Gelassenheit finden
Die Fachliteratur zum Thema Führung präsentiert zahlreiche Modelle – ob „Servant Leadership“, „Transformational Leadership“ oder andere. Doch diese Modelle beschreiben nicht nur, wie „gute Führung“ aussehen könnte. Sie suggerieren oft auch: „Wenn du es genau so umsetzt, wirst du eine gute Führungskraft sein.“
Diese Annahme schafft häufig neue Erwartungen – und damit neuen Druck.
Dabei geht es nicht darum, ein Modell perfekt umzusetzen. Sondern darum, Ihre eigene Rolle bewusst zu erleben – mit all ihren Widersprüchen, Unsicherheiten und Unvollkommenheiten. Diese Auseinandersetzung hilft zudem zu verstehen, was eine Rolle überhaupt ist:
- Ein Rahmen, der Beziehungen strukturiert – aber nicht bestimmt.
- Ein Werkzeug, das Orientierung und Sicherheit gibt – aber keine absolute Kontrolle.
- Ein Spiegel, der Ihnen zeigt, wo Grenzen und Möglichkeiten - Ihre und die der anderen - sind.
Denn echte Gelassenheit entsteht nicht durch das Befolgen von Regeln, sondern durch Akzeptanz:
- Dass Führung nie perfekt sein muss, um wirksam zu sein.
- Dass nicht alles kontrollierbar ist – und das ist okay.
- Dass Ihre Stärke nicht darin liegt, ein Ideal zu erfüllen, sondern bewusst und authentisch zu leben.
Frage an Sie: Wo spüren Sie in Ihrer Führungsrolle gerade den Wunsch, es „richtig“ machen zu müssen? Und was würde sich ändern, wenn Sie diesen Anspruch ein Stück weit losließen?
Führungsrolle hinterfragen: 5 Fragen zur Selbstreflexion für Führungskräfte
Die folgende Tabelle bietet keine Bewertung, sondern Anstöße, um Ihre eigene Haltung zu Ihrer Rolle zu hinterfragen. Es geht nicht um „richtig“ oder „falsch“, sondern darum, wo Sie sich wiederfinden – und was das über Ihre innere Haltung aussagt.
Wie erlebe ich meine Führungsrolle? – Impulse zur Reflexion
| Wenn ich meine Rolle so erlebe … | … könnte das darauf hindeuten, dass ich … | Frage an mich selbst |
| „Ich muss alles unter Kontrolle haben.“ | … mich mit meiner Rolle identifiziere. | „Wo ende ich – und wo beginnt die Rolle?“ |
| „Kritik an mir ist Kritik an meiner Person.“ | … Rolle und Identität vermische. | „Was würde passieren, wenn ich Kritik einfach als Information nehme?“ |
| „Meine Position gibt mir das Recht, zu bestimmen.“ | … Macht als Sicherheit nutze. | „Wovor schütze ich mich damit?“ |
| „Ich bin für alles verantwortlich.“ | … die Grenzen meiner Rolle nicht kenne. | „Was liegt wirklich in meiner Hand – und was nicht?“ |
| „Ich muss es allen recht machen.“ | … meine eigenen Bedürfnisse vernachlässige. | „Wo brauche ich selbst Unterstützung?“ |
Was Sie daraus mitnehmen können: Diese Fragen sind keine Aufgaben, die Sie „abarbeiten“ müssen. Sie sind Einladungen, Ihre Rolle aus einer neuen Perspektive zu betrachten – ohne Druck, ohne Bewertung.
Reife Führungskultur: Warum Akzeptanz wichtiger ist als Perfektion
Reife Führung zeigt sich nicht daran, ob Sie ein bestimmtes Modell anwenden, sondern daran, wie bewusst Sie Ihre Rolle gestalten – mit all ihren Widersprüchen und Unvollkommenheiten.
Drei Merkmale reifer Führung:
- Sie trennt Rolle und Person:
- „Ich bin nicht meine Rolle.“
- Das bedeutet nicht, sich distanziert zu verhalten, sondern zu erkennen: „Ich handle in einer Funktion – aber ich bin mehr als das.“
- Sie akzeptiert Unkontrollierbares:
- Führung findet immer in einem Spannungsfeld statt: zwischen Erwartungen und Realität, zwischen Kontrolle und Loslassen.
- Reife Führung fragt nicht: „Wie kann ich alles steuern?“ – sondern: „Wie kann ich mit dem umgehen, was ich nicht steuern kann?“
- Sie reflektiert – ohne sich zu verurteilen:
- Es geht nicht darum, „besser“ zu werden, sondern ehrlicher – zu sich selbst und zu den Menschen, mit denen Sie arbeiten.
Ein Gedanke zum Mitnehmen:
„Führung ist wie das Steuern eines Schiffes: Sie können den Kurs beeinflussen, aber nicht das Wetter. Die Kunst liegt darin, beides zu akzeptieren – und trotzdem weiterzufahren.“
Wie Akzeptanz Gelassenheit in der Führung schafft – ohne Techniken oder Druck
Gelassenheit ist kein Ziel, das Sie erreichen müssen. Sie entsteht nebenbei – als Ergebnis von:
- Akzeptanz, dass Führung immer auch Unsicherheit, Konflikte und Unkontrollierbares mit sich bringt.
- Selbstwahrnehmung, die es Ihnen erlaubt, Ihre Rolle ohne innere Kämpfe auszufüllen.
- Demut, die anerkennt: „Ich bin nicht allmächtig – und das ist okay.“
Was das für Sie bedeutet:
- Sie müssen nicht „gelassener werden“. Es reicht, Ihre Rolle klarer zu sehen – und zuzulassen, dass nicht alles planbar ist.
- Gelassenheit zeigt sich nicht darin, dass Sie „keine Fehler mehr machen“, sondern darin, dass Sie Fehler nicht mehr als Bedrohung erleben.
Führung als Praxis: Wie Achtsamkeit Ihre Führungsrolle verändert
Vielleicht gehen Sie nach diesem Artikel nicht als „bessere Führungskraft“ – aber als jemand, der seine Rolle etwas leichter trägt.
Drei Fragen, die Sie für sich mitnehmen können:
- „Wo spüre ich in meiner Führungsrolle gerade Leichtigkeit – und wo Anspannung?“
- „Was würde sich ändern, wenn ich meine Rolle nicht als Last, sondern als Rahmen betrachten würde?“
- „Wo kann ich heute ein Stück weit loslassen – ohne etwas zu verlieren?“
Führung ist kein Projekt, das man abschließt. Sie ist eine Praxis – und die beginnt immer wieder von neuem. Wie erleben Sie das in Ihrem Alltag?
In der Spannung liegt die Haltung!
Ihre Valérie Turbot, die Coachin an Ihrer Seite.